
Auf der Büssingstraße in Haan ist kürzlich ein Autofahrer mit 117 Stundenkilometern gemessen worden – mehr als doppelt so schnell wie erlaubt. Damit wurde in einer Tempo-50-Zone der höchste Wert registriert, den die Stadt Haan in ihren aktuellen Geschwindigkeitsauswertungen festgestellt hat. Bereits im März war auf der Feldstraße ein weiterer Fahrer mit 103 km/h erfasst worden.
Diese Zahlen stammen nicht aus einer Radaranlage, sondern aus der Auswertung mobiler Dialog-Displays, die die Stadt regelmäßig an verschiedenen Standorten einsetzt. Die Daten wurden auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Mobilität vorgestellt.
Smiley-Anlagen liefern mehr als nur Warnhinweise
Die elektronischen Tafeln zeigen Verkehrsteilnehmern ihre aktuelle Geschwindigkeit an und reagieren mit einem lachenden oder traurigen Smiley. Nach Angaben der Stadt dienen die Geräte nicht nur der Sensibilisierung, sondern auch der Datenerhebung. So kann die Verwaltung erkennen, an welchen Straßen besonders häufig zu schnell gefahren wird und ob zusätzliche Maßnahmen nötig sind.
Auf haan.de beschreibt die Stadt die Geschwindigkeitsmessungen als freiwillige Maßnahme zur Verkehrssicherheit. Beschwerden von Anwohnern über Raserei sollen damit kurzfristig überprüft werden. Auffällige Ergebnisse werden an die Polizei sowie den Kreis Mettmann weitergeleitet, die über zusätzliche Kontrollen oder feste Messstellen entscheiden können.
Diese Kennzahlen zeigen, wo es kritisch wird
Die Durchschnittsgeschwindigkeit zeigt, wie schnell Fahrzeuge im Mittel unterwegs sind. Besonders auffällig ist die Dieker Straße auf Höhe der Hausnummer 29. Dort beträgt das durchschnittliche Tempo 43 km/h, obwohl lediglich 30 km/h erlaubt sind.
Der Median gibt an, welche Geschwindigkeit von der Hälfte aller Fahrzeuge eingehalten oder unterschritten wird. Er beschreibt das typische Fahrtempo und liegt auf vielen Straßen nahe am Durchschnittswert.
Der 85-Prozent-Wert (V85) gilt als besonders aussagekräftig. Er zeigt, welche Geschwindigkeit von 85 Prozent aller Fahrzeuge nicht überschritten wird. Liegt dieser Wert deutlich über dem Tempolimit, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Beschilderung nicht ausreichend wirkt oder die Straße baulich zum Schnellfahren einlädt.
Wann Polizei und Kreis eingreifen
Als Faustregel gilt: Solange 85 Prozent der Fahrer die erlaubte Geschwindigkeit um nicht mehr als neun bis zwölf km/h überschreiten, werden in der Regel keine regelmäßigen Überwachungen eingerichtet. Wird diese Schwelle überschritten, prüfen Polizei und Kreis Mettmann weitergehende Maßnahmen.
Neue Messungen an zahlreichen Straßen geplant
Die Stadt will die Dialog-Displays 2026 an weiteren Standorten einsetzen. Vorgesehen sind unter anderem:
- Büssingstraße
- Landstraße vor der Westfalenstraße
- Adlerstraße
- Thienhausener Straße
- Alleestraße
- Sauerbruchstraße
- Dieker Straße an der Grundschule
- Flurstraße an der Einmündung Am Kauerbusch
- Ohligser Straße
- Mettmanner Straße
Auch zusätzliche Vorschläge aus Politik, Polizei oder Bürgerschaft können berücksichtigt werden.
Positive Rückmeldung statt Strafzettel
Verkehrsexperten sehen in Dialog-Displays ein wirksames Mittel zur Geschwindigkeitsreduzierung. Der ADAC Nordrhein bewertet die Geräte insbesondere vor Schulen und Kindergärten als sinnvolle Einstiegsmaßnahme. Der emotionale Effekt der Smileys motiviere viele Fahrer, ihr Tempo unmittelbar zu reduzieren.
Auch andere Untersuchungen und Erfahrungen aus Kommunen zeigen, dass solche Anzeigen die Zahl von Geschwindigkeitsüberschreitungen deutlich senken können.
Bericht: LT
Foto/Montage: anzeiger24.de / KI generiert
Weitere Nachrichten aus Haan gibt es unter www.anzeiger24.de/haan/news/
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