
Die lokale Politik schlägt Alarm: „Offenbar ohne ausreichende, frühzeitige Information der Betroffenen und ohne tragfähiges Sicherheitskonzept für den Fuß- und Schülerverkehr“ hat die Deutsche Bahn die Fußgängerunterführung am Gruitener Bahnhof zwischen Kastanienweg und Thunbuschstraße sperren lassen, beklagt Jens Niklaus von der Gruitener SPD. Das sorge „zu Recht für große Verunsicherung bei Anwohnerinnen und Anwohnern, insbesondere bei Familien mit Schulkindern.“
SPD stellt Dringlichkeitsantrag
Die SPD Gruiten fordert daher „umgehende Maßnahmen zur Sicherung des Schulwegs“. Niklaus kündigt daher an, im nächsten Ausschuss für Umwelt und Mobilität einen Dringlichkeitsantrag für eine kurzfristige Sicherung des Schulwegs und eine „klare, sichere und gut ausgeschilderte Umleitungsführung“ zu stellen. Die Stadtverwaltung und Deutsche Bahn sollen außerdem „transparenter“ zum Sachverhalt kommunizieren.
Das Thema wurde ursprünglich nicht-öffentlich im Rat diskutiert, so Niklaus. Die SPD habe es dann öffentlich gemacht: „Wir haben frühzeitig darauf hingewiesen, welche zentrale Bedeutung diese Verbindung für den Alltag in Gruiten hat – gerade für Kinder auf dem Schulweg. Jetzt zeigt sich: Die Sorgen waren mehr als berechtigt.“
WLH-Vorschlag: Unterführung als Schutzraum im Katastrophenfall?
Auch Meike Lukat von der Fraktion Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH) sieht dringenden Handlungsbedarf und hat einen Alternativvorschlag:
Der Stadtrat hatte noch im Dezember 2025 die Verwaltung beauftragt, eine Stellungnahme an das Eisenbahn Bundesamt zu übersenden, in der es u.a. heißt: „Bevor die Verfüllung der Personenunterführung als ‚irreversible‘ Maßnahme vollzogen wird, wird angeregt zu prüfen, inwieweit die Unterführungen einer alternativen Nutzung zugeführt werden können (z. B. Perspektive Schutzräume).“
Was damit gemeint ist: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) will bis 2029 ein nationales Schutzraumkonzept erstellen. „Dazu werden u.a. auch von Firmen und Behörden Räume erhoben, welche der Bevölkerung im Ernstfall Schutz bieten können“, so Lukat. Auch die Unterführung könne für solche Schutzzwecke genutzt werden. „Denn es gibt dort auch kein öffentliches Bahnhofsgebäude mehr, in das die zivile Bevölkerung vom Bahnsteig aus in diversen ad hoc Katastrophen- und Wetterereignissen mal eben flüchten könnte.“
Auch könnte die Personenunterführung in Gruiten Teil eines Forschungsvorhabens zu „schutzbietenden Räumen vor CBRN-Wirkmitteln“ werden: „Das BBK erarbeitet derzeit zusammen mit dem Bundesinnenministerium und den Ländern ein modernes Schutzraumkonzept.“
Daher bittet sie Bürgermeister Vincent Endereß, sich beim Eisenbahn Bundesamt für diese Idee einzusetzen.
In dem Schreiben an das Eisenbahn Bundesamt heißt es außerdem: „Es ist zwingend erforderlich, dass die bestehende Unterführung erst außer Betrieb genommen wird, wenn die neue Überführung als sichere und benutzbare Alternative dauerhaft zur Verfügung steht…“
Eine Rückmeldung sei dem Rat bis jetzt noch nicht vorgelegt worden, so Lukat: „Gibt es diese bei der Stadt Haan oder hatte das Eisenbahn Bundesamt (mal wieder) unabgestimmt mit der Stadt Haan einfach Fakten geschaffen?“
CDU: Schließung widerspricht vorherigen Aussagen
Derweil hat die Haaner CDU einen Brandbrief an die DB InfraGO AG geschrieben: „Bei dem Weg durch die Unterführung handelt es sich auch um den direkten Schulweg der Kinder aus dem Baumviertel zur Grundschule Gruiten und zur Freien Waldorfschule Gruiten. Zudem ist auf der anderen Seite die An- und Abfahrt des Schienenersatzverkehrs der DB in Richtung Haan und Erkrath zu den weiterführenden Schulen.“
Die Schließung widerspräche vorherigen Aussagen: „Auf die Frage, wie die Wegebeziehung nun ausgeschildert werde und welchen Weg insbesondere die Schulkinder morgens nehmen sollen, konnte keine Antwort gegeben werden. Auch der Weg zum Schienenersatzverkehr auf der anderen Seite des Bahnhofs ist nicht ausgeschildert. Leider zeigt sich auch hier wieder, dass die Kommunikation der DB mit der Bürgerschaft und mit der Verwaltung der Stadt Haan nicht funktioniert und unbedingt optimiert werden muss.“
Bericht: KA
Archivfoto: anzeiger24.de
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